Stuttgart (1909-1917)

Stuttgarter Oper heute, Architekt Max Littmann, 1909-1912 erbaut, 1912 eröffnet
Stuttgarter Oper heute, Architekt Max Littmann, 1909-1912 erbaut, 1912 eröffnet

Wechsel zur Stuttgarter Oper
Der aus dem Rheinland stammende Komponist, Dirigent, Pianist und Theaterintendant Max von Schillings (1868-1933) bekleidet in den Jahren 1908 bis 1918 das Amt des Generalmusikdirektors am Königlichen Hoftheater Stuttgart. Er begleitet Hedy bei einem Konzert am Klavier und entdeckt ihr Talent für die Oper. Im Januar 1909 fragt der Stuttgarter Oberregisseur Gerhäuser sie, ob sie die Rolle der ‚Elisabeth' in Wagners ‚Tannhäuser' singen könne, da die entsprechende Sängerin wegen Krankheit ausgefallen sei. Sie willigt ein und freut sich auf ihren Auftritt am Stuttgarter Hoftheater: „Daß ich in der Partie der Elisabeth bereits lebe und webe, brauche ich Ihnen wohl nicht zu versichern, ich freue mich sehr auf den 14.!" (Brief an Schillings vom 1. Februar 1909). Am 14. Februar 1909 gibt sie ihr erstes Gastspiel in Stuttgart, wofür sie vier Konzerte in Bromberg, Hamburg, Düsseldorf und Lübeck absagen und ein weiteres Engagement für Frankfurt am Main ausschlagen muss. Die Rheinische Musik- und Theaterzeitung (X. Jahrgang, Nr.8, 20. Februar 1909) schreibt darüber: „Sie hat übrigens am 14. Februar als Elisabeth am Stuttgarter Hoftheater einen ganz außergewöhnlichen Erfolg gehabt, der um so höher zu bewerten ist, als es sich um ihr erstes Auftreten auf der Bühne handelte."
 

 

Karte von Max von Schillings an Hedy, 1909 (Staatsarchiv Ludwigsburg)
Karte von Max von Schillings an Hedy, 1909 (Staatsarchiv Ludwigsburg)
Max von Schillings
Max von Schillings

Es folgen weitere Rollen ab Mitte April und eine vertragliche Verpflichtung als Sängerin am königlichen Hoftheater Stuttgart ab September 1909 für den Zeitraum von fünf Jahren. Der Vertrag wird schon vor ihrem ersten Gastspiel in Stuttgart aufgesetzt, nämlich am 10. Februar 1909, und unterschrieben am 23. Februar. Neben ihrer Unterschrift findet sich auch die Unterschrift ihres „Vormundes", sprich ihres Mannes Theo. Im Vertrag ist Raum gelassen für eine Weiterführung ihrer Konzerttätigkeit - organisiert von ihrem Musik-Agenten Salter in Berlin - sei es in viel geringerem Masse als bisher.
Die Rheinische Musik- und Theaterzeitung (X. Jahrgang, Nr.42, 16. Oktober 1909) schreibt über die Beginnphase in Stuttgart: „Die Stuttgarter Hofopernsängerin Hedy Iracema-Brügelmann geht ihren Weg, wie wir es prophezeiten. Seit kaum einem Vierteljahr offiziell an der Bühne, hat sie bereits die Partien der Elisabeth, Elsa, Sieglinde, Senta, Santuzza und Gräfin im Figaro gesungen und wird in allernächster Zeit als Donna Anna und Evchen debütieren. Telegraphisch nach Karlsruhe berufen, gastierte sie dort jüngst als Santuzza in einer Weise, daß die Badische Presse schrieb, solch eine allseitig vollendete Leistung sei überhaupt seit Jahr und Tag in der badischen Residenz nicht mehr gehört und gesehen worden."

Hotel Marquardt, Stuttgart
Hotel Marquardt, Stuttgart

Hedy wohnt zunächst monatelang im Stuttgarter Zentrum im Hotel Marquardt, erst in den Weihnachstferien 1909 zieht sie in eine Wohnung in der Kernerstrasse 59. Ihr Mann und Sohn bleiben zunächst in Köln. Sie folgen erst im Sommer 1912 nach Stuttgart,  als Theo eine Stelle bei der Württembergischen Vereinsbank antritt.

Arbeitsbelastung

Hedys Arbeitsbelastung ist enorm, da sie zahlreiche neue Rollen einstudieren muß, die Dichtheit der Opernaufführungen hoch ist und entsprechendes für die damit verbundenen Proben gilt. Daneben übt sie eine zwar reduzierte aber doch anhaltende Konzerttätigkeit aus, die oft mit größeren Reisen verbunden ist (Konzerte u.a. in Hannover, Düsseldorf, Elberfeld, München, St. Gallen und Berlin). Zusätzlich bekommt sie jeden Donnerstag ab September 1909 jeweils eine Stunde dramatischen Unterricht von Oberregisseur Gerhäuser persönlich, da sie nicht für die Bühne sondern als Konzertsängerin ausgebildet ist.

Die hohe Arbeitsbelastung wird z.B. aus folgendem Brief Hedys an die Operdirektion deutlich: „Zu meinem großen Erstaunen lese ich auf dem heutigen Theaterzettel, daß ich krank gemeldet bin. Ich sagte nur ab, weil ich vom 4. bis 8. November dreimal die Euryanthe gesungen hatte und mich nach der letzten Aufführung nicht frisch genug fühlte, eine Partie wie die Senta zu singen. In knapp einer Woche 4 große Rollen mit den anstrengenden Proben kann ich unmöglich bewältigen, 2 bis 3 Rollen übernehme ich immer. Im übrigen hatte ich heute dreieinhalb Stunden Rosenkavalier-Proben." (10.11.1911).

Dr. Felix von Kraus
Dr. Felix von Kraus
Adrienne von Kraus-Osborne
Adrienne von Kraus-Osborne

Anstatt sich nach den Strapazen des ersten Jahres an der Bühne in Stuttgart in den Sommerferien im Jahr 1910 auszuruhen und Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, nimmt Hedy sechs Wochen lang Unterricht bei Dr. Felix von Kraus (1870–1937) zwecks stimmtechnischer Studien. Der österreichische Bass und Musikwissenschaftler ist seit 1908 künstlerischer Leiter der Münchner Oper und Professor an der Akademie der Tonkunst in München. Hedy ist ihm dafür sehr erkenntlich. In einem Brief an die Operndirektion schreibt sie im September 1910: „Ihm bin ich zu sehr großem Dank verpflichtet, da er sich meiner Stimme in selbstlosester Weise angenommen hat während dieser Ferien; ich darf Dr. von Kraus nicht im Stich lassen." Es geht um ein Konzert in Augsburg am 10. Oktober 1910 mit dem Kraus-Vokalquartett, in dem neben Felix von Kraus auch seine amerikanische Frau Adrienne Osborne singt. Hedy will dieses Konzert nicht absagen für ein Konzert in Friedrichshafen zu Ehren des Geburtstages der Königin. Im Februar 1911 tritt Hedy erneut mit dem Kraus-Quartett in Prag auf.

 

Selbstzweifel

Zu den schweren Arbeitsumständen und der langen Trennung von ihrem Mann und Kind kommt auch noch der Selbstzweifel, was zu einer persönlichen Krise führt. Am 4.3.1911 schreibt Hedy an den Generalintendanten Baron von Puttlitz:
"Euer Excellenz, Mit einer Bitte komme ich heute zu Ihnen. In dieser Saison fühle ich mich so recht unbefriedigt in meiner Stellung; ich versuchte immer, mich darüber hinwegzusetzen, und vermag es nicht. Meine Stellung hier ist eine besonders schwere neben Frau Cordes und Frl. Burckardt, die beide routinierte Sängerinnen sind mit großem Repertoire. Ich habe mich redlich bemüht, neben den beiden Damen zu bestehen und empfinde es, daß es mir nicht gelingt so dazustehen, wie ich es möchte und vielleicht auch könnte. Ich bitte Sie deshalb um meine Entlassung für die Saison 1912. So lange mein Mann selbst nicht hier gebunden ist, kann ich leichter einen Entschluß fassen. Ich hätte gerne mit Euer Excellenz selbst gesprochen, ich bin aber zu erregt, auf dem Papier geht alles glatter. Ich bitte noch Euer Excellenz mich morgen von der Gutrune zu dispensieren, ich kann mit dem besten Willen morgen nicht singen und bedauere es lebhaft, nun doch einmal absagen zu müssen."
Aus der Personalakte wird jedoch nicht deutlich, wie diese Krise gelöst wird. Hedy bleibt jedoch in Stuttgart, und 1912 kommen auch ihr Mann und Sohn aus Köln nach.

 

Hedy Brügelmann als Desdemona, Stuttgart, ca. 1913
Hedy Brügelmann als Desdemona, Stuttgart, ca. 1913
Hedy Bügelmann in der Rolle der Ariadne, Stuttgart, ca. 1915
Hedy Bügelmann in der Rolle der Ariadne, Stuttgart, ca. 1915

Repertoire

Neben den schon genannten Rollen singt Hedy in Stuttgart u.a. auch die Feldmarschallin, Ariadne, Chrysothemis, Donna Anna, Tosca, Martha, Valentine, Lady Milford, Recha, Agathe, Euryanthe, Blanchefleure, Kundry, Gutrune sowie in Opern von Schillings: Herzland, Diemut und Mona Lisa. Etwas exotischer sind Sulamith (gleichnamige Oper von Paul van Klenau), Rosine („Oberst Chabert" von Hermann von Waltershausen) sowie auch die Hauptrolle in „Die Dame in Rot", einer Operette von Robert Winterberg. Eine ausführliche Liste von Hedys vielfältigem gesamten Opernrepertoire findet sich auf der Seite  'Musik'.

 

Stuttgarter Programmzettel vom 3. Oktober 1913 mit Gastspiel von Enrico Caruso, Hedy als Tosca (Staatsarchiv Ludwigsburg)
Stuttgarter Programmzettel vom 3. Oktober 1913 mit Gastspiel von Enrico Caruso, Hedy als Tosca (Staatsarchiv Ludwigsburg)
Autogrammkarte mit Widmung für Hedy Brügelmann von Enrico Caruso (1913)
Autogrammkarte mit Widmung für Hedy Brügelmann von Enrico Caruso (1913)

Kollegen

In Stuttgart singt Hedy unter den Dirigenten Max von Schillings, Erich Band und Paul Drach. Ihre Sängerkolleginnen sind u.a. Sofie Cordes, Sigrid

Hoffmann-Onegin und die 1910 in einem Eifersuchtsdrama erschossene Anna Sutter. Zu den männlichen Kollegen zählen Karl Erb, Albin Swoboda, Hermann Weil, Reinhold Fritz und George Meader. Auch mit der berühmten österreichischen Wagner-Interpretin Anna von Mildenburg steht Hedy in Stuttgart dreimal bei Gastspielen zusammen auf der Bühne, ebenso mit dem weltberühmten italienischen Tenor Enrico Caruso, der ihr bei dieser Gelegenheit eine Autogrammkarte widmet.

 

Konzerttätigkeit

Neben ihrer Bühnentätigkeit an der Stuttgarter Oper tritt Hedy auch als Solistin bei Konzerten des Stuttgarter Orchesters unter Schillings, den sogenannten Abonnementskonzerten, und bei verschiedenen Wohltätigkeitskonzerten auf. Regelmäßig läßt sie sich auch beurlauben für ihre Konzerttätigkeit in anderen Städten, z.B. Augsburg, München, Heidelberg, Düsseldorf, Hamburg, Wiesbaden, Koblenz, Coburg, Speyer, Esslingen, Barmen, Tübingen, Siegen und Münster.
Ein steter Gast ist Hedy auch in Berlin bei Konzerten der Singakademie - unter Leitung von Georg Schumann - und den dortigen Berliner Philharmonikern (siehe auch die Übersicht der Konzerte mit der Singakademie bei 'Konzerte'). Nennenswert ist auch ihre Teilnahme an einem der berühmten Niederrheinischen Musikfeste im Juni 1911 in Düsseldorf und dem Oberbadischen Musikfest in Freiburg im Mai 1910, bei dem Albert Schweitzer, der zu dieser Zeit in Strassburg wohnt, an der Orgel spielt.

 

Urlaubsgesuch für Konzerte in Esslingen, Barmen und Utrecht, 1909 (Staatsarchiv Ludwigsburg, Personalakte)
Urlaubsgesuch für Konzerte in Esslingen, Barmen und Utrecht, 1909 (Staatsarchiv Ludwigsburg, Personalakte)

 

Zwei Auftritte in St. Gallen (im Januar 1911 und November 1913) zählen zu den selteneren Konzerten im Ausland. Im St. Galler Tagblatt vom 5.11.1913 findet sich dazu das Folgende:

"Zweites Abonnementskonzert.

Das zweite Konzert ist in der Hauptsache moderner Musik gewidmet. Mahler, Schillings, Wolff sind moderne Namen und zwar solche von bestem Klang, vor denen sich niemand zu bekreuzen braucht. Das Hauptgewicht des Abends soll auf der Erstaufführung der IV. Symphonie Mahlers ruhen. Es ist nicht leicht, Mahlers Symphonien unserm Publikum zugänglich zu machen; die meisten gehen in den Anforderungen an Orchesterzusammensetzung und Chor- und Solistenmitwirkung über das hinaus, was mit unsern Mitteln möglich ist. Zum Erreichbaren gehört diese IV. Symphonie, die in mancher Beziehung der ersten, 1912 und 1913 aufgeführten, nicht unähnlich ist. Doch weicht Mahler auch hier von der Regel ab, indem er im ganzen letzten Satz eine Sopranstimme mitwirken läßt. (...)

Frau Iracema Brügelmann aus Stuttgart wurde speziell im Hinblick auf das Sopransolo der Symphonie für dieses Konzert wieder gewonnen. Sie hat im Januar 1911 namentlich durch ihre verständnis- und temperamentvolle Auffassung moderner Lieder die Gunst unseres Publikums in reichem Maße gewonnen. Wir werden sie auch diesmal wieder in diesem Fache schätzen dürfen; daneben interessieren uns die Berliozschen Gesänge mit Orchesterbegleitung; unseres Wissens kennt man hier Berlioz nur aus seinen großen Orchester- und Chorwerken. (...)"

 

Hedy als Lydia in 'Sandro der Narr' von Heinrich Bienstock, ca. 1916 (Familienarchiv)
Hedy als Lydia in 'Sandro der Narr' von Heinrich Bienstock, ca. 1916 (Familienarchiv)

Gastspiele

Von Stuttgart aus ist Hedy Brügelmann wiederholt zu Gast an der Karlsruher Bühne, springt dort auch kurzfristig ein für erkrankte Solisten. Aber sie gastiert auch in anderen deutschen Städten, wie z.B. 1910 in Düsseldorf in der Oper „Mahadeva“ von Felix Gotthelf in der Rolle der Maya, in der sie auch einen Tanz aufführen muss. Gotthelf (1857 geb. in Mönchengladbach, 1930 gestorben in Dresden) ist Arzt und Komponist. Es gibt eine Reihe von Briefen von ihm an Hedy mit Instruktionen zur Rolle der Maya in dieser kurz zuvor uraufgeführten Oper (Uraufführung 1910 in Düsseldorf). 1912 ist Hedy wiederum in Düsseldorf zu Gast in den Titelrollen der Tosca und von Figaros Hochzeit. Auch gastiert sie u.a. in Mannheim (Ariadne auf Naxos), Hannover (Don Juan), München (Ariadne auf Naxos), Nürnberg (Meistersinger) und Berlin (Elektra, 1916, unter Richard Strauss).   

Ausländische Gastspiele bringen sie nach London ins Royal Opera House in Covent Garden (1913 als Marschallin im Rosenkavalier), nach Wien (mehrere Auftritte als Vorbereitung ihres Wechsels dorthin) und Anfang 1918 in die Niederlande (Amsterdam und Den Haag) mit der Mona Lisa. Dies sind Gesamtgastspiele des Stuttgarter Ensembles unter Leitung von Max Schillings. Hedy, die dann schon in Wien arbeitet, lässt sich dazu beurlauben. Über ihre zweite Tournee durch Brasilien im Jahr 1914 sowie ihre Gastspiele in Frankreich vor Soldaten im ersten Weltkrieg wird noch an anderer Stelle berichtet.

  

Nieuwe Rotterdamsche Courant, 2.1.1918, Delpher: Niederländisches Zeitungsarchiv
Nieuwe Rotterdamsche Courant, 2.1.1918, Delpher: Niederländisches Zeitungsarchiv

 

Auch die New Yorker Oper ist für eine Gastperiode im Gespräch. Die Theateragentur Salter aus Berlin will Hedy für ein paar Monate ab Herbst 1914 an die Metropolitan Opera vermitteln. In einem vertraulichen Schreiben von Salter vom 8.10.1914 an Putlitz in Stuttgart wird dies deutlich:

"Die Direktion der Metropolitan Opera Co. beauftragt mich soeben, sofort Vorschläge für das Engagement einer jugendlichen Sängerin telegraphisch zu unterbreiten, da die Möglichkeit vorliegt, dass eine solche für die kommende Saison engagiert werden muss. Ich erlaube mir daher, ganz ergebenst um Nachricht zu bitten, ob Sie gestatten würden, dass ich mit Frl. Brügelmann in Unterhandlung trete. Falls Euer Excellenz dies gestatten würden und ein Engagement zustande käme, müsste die Dame gegen den 20. ds. abreisen und könnte Anfang Mai wieder dort sein. (...)"

Putlitz antwortet per Telegramm:

"Gestatte zunächst mit Frau Brügelmann zu verhandeln. Behalte mir Entscheidung vor. gez. Baron Putlitz".

Es ist unbekannt, warum aus dem Intermezzo in New York nichts geworden ist. Hedy ist zu dem Zeitpunkt auch gerade erst zurück von ihrer zweiten Brasilien-Tournee und hat monatelang ihren Mann und 14-jährigen Sohn nicht gesehen.

 

Hier kommen demnächst noch Informationen über:

- die Strauss-Festwoche 1912 anlässlich der Einweihung des neuen Stuttgarter Theaters

- Odeon-Plattenaufnahmen in Berlin

- die zweite Tournee durch Brasilien 1914
- die 'Mona Lisa' Uraufführung 1915

- die Situation während des ersten Weltkrieges

- Gastspiele vor Soldaten an der Front (Erster Weltkrieg)

- Auszeichnungen

- den Wechsel nach Wien

Porträt von Hedy von Bernhard Pankok (1917)
Porträt von Hedy von Bernhard Pankok (1917)

Abschiedsgeschenk
Bei Hedys Abschied aus Stuttgart im Sommer 1917 bekommt sie von Bernhard Pankok ein Porträt geschenkt: eine kolorierte Zeichnung, die sie im Kostüm der Gräfin aus 'Figaro's Hochzeit' zeigt. Bernhard Pankok (1872-1943) war ein deutscher Maler, Architekt, Musiker und Designer, der ab 1902 in Stuttgart lebte und auch als Ausstatter am Stuttgarter Hoftheater tätig war, z.B. bei der Uraufführung der Oper 'Mona Lisa' von Schillings im Jahr 1915.

 

 

 

 

 

 

Zusammenfassung der Stuttgarter Periode
In seinem Nachruf anlässlich Hedys Tod im Jahre 1941 schaut der Musikkritiker Oswald Kühn in einem Artikel des Schwäbischen Merkurs auf die Stuttgarter Periode von Hedy Brügelmann zurück und gibt damit einen farbigen Überblick über Hedys erfolgreiche Jahre an der Stuttgarter Oper:

"(...) Mit dem Namen Hedy Iracema-Brügelmann verbindet sich das Andenken an jenes Jahrzehnt, das eine Blütezeit der Stuttgarter Oper bezeichnet. Und in diesem Ensemble — wir nennen nur die Namen Wildbrunn, Onegin, Oestwig — war die Verstorbene ein leuchtender Stern.

Max Schillings hatte mit sicherem Blick für die besondere Begabung sie 1909 vom Konzertsaal weg für die Kgl. Hofoper verpflichtet, das Wagnis brachte volles Gelingen: die Sängerin war bald ein Liebling des kunstverständigen Stuttgarter Theaterpublikums, nicht nur als Künstlerin, sondern auch in gesellschaftlicher Beziehung. Schon ihre Persönlichkeit verbürgte eine Sängerin von ausgesprochener Kultur. Eine schöne, warm timbrierte Stimme stand ihr zur Verfügung, so das es ihr bald gelang, auch als stets interessante Darstellerin auf der Bühne festen Fuß zu fassen, den Operngestalten Leben zu verleihen. Senta, Evchen, Elsa, Sieglinde, Isolde — dann eine Tosca, die ihre eignen Züge trug. Für Mozarts Gräfin im Figaro oder Donna Anna — an die wir uns noch lebhaft erinnern — kam der gepflegte Gesangsstil zur ausschlaggebenden Bedeutung: andererseits wußte sie aber auch einer Chysotemis in Straußens "Elektra" Geltung zu verschaffen. Ein Höhepunkt dieser künstlerisch glanzvollen Laufbahn war die Mona Lisa in der Schillingschen Oper, die Darstellung der Titelpartie wird uns unvergeßlich sein, sie ist so noch nicht wieder übertroffen worden. Und als sie in der anderen Stuttgarter Uraufführung, die die Augen der musikalischen Welt auf sich lenkte, in der "Ariadne auf Naxos" die Ariadne neben der Jeritza sang, war ihr Name auch außerhalb ihres engeren Wirkungskreises bekannt. (...) Der König von Württemberg hatte der Künstlerin in Schloß Bebenhausen die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft persönlich überreicht. Als Kuriosum sei noch mitgeteilt, daß die Sängerin in einer Tannhäuser-Aufführung wegen Erkrankung der Frau Cordes die Partien der Elisabeth und der Venus sang. (...)"

 

Hedy Iracema Brügelmann, ca. 1913 (Familienarchiv)
Hedy Iracema Brügelmann, ca. 1913 (Familienarchiv)